Biografie


Glück gehabt

Geboren wurde ich 1981 in Wien als Einzelkind und hatte das große Glück, noch genau das analoge Zeitalter zu erwischen, als Computer kaum eine Rolle im privaten Alltag spielten. Soll heißen, statt Controllern und Digital-TV gab es einen alten Holzröhren-Fernseher mit zwei Programmen, Holzspielzeug und vor allem Lego, mit dem ich all meine Ideen und Abenteuer als Kind verwirklichen und ausleben konnte. Mein Leben begann also völlig analog und zudem recht naturverbunden.

Auch durfte ich im Gegensatz zur heutigen Generation noch auf Bäume klettern, herunterfallen, mit Scheren spielen, alleine in die Schule fahren, Regenwürmer in den Mund nehmen und YPS-Heft-Experimente verschlucken. Ich habe überlebt! \o/

Die Kindheit

Meine ersten Schritte erfolgten in einer Altbauwohnung mitten in Wien und nach einigen Umzügen landete ich mitsamt meiner Mutter in einer kleinen Wohnung, die aus heutiger Sicht wohl wirklich winzig war, aber ich verbinde dennoch damit phasenweise eine gute Zeit und lange Kindheit - nicht zuletzt auch deswegen, weil es jedes Wochenende und mit viel Aufwand hinaus aus der Stadt irgendwo in die Natur ging. Wälder, Wiesen, Seen und manchmal auch Berge und praktisch jeden Sommer gab es wo einen kleinen low-budget Ausflug in das restliche Österreich, manchmal übernachteten wir bei Freunden oder auch im gemieteten Wohnwagen... Ich denke, dass mich diese Zeit sehr geprägt hat, denn bis heute fühle ich mich auf Wiesen, in Wäldern und mit Tieren generell einfach sehr wohl und wie Zuhause.

Auch beobachtete ich damals schon begeistert oft stundenlang Vögel, Ameisen und andere Insekten, sammelte Wiesenblumen und schnitzte Holz. Außerdem war ich ein großer Fan des (heute teils kontrovers diskutierten) Konrad Lorenz und ebenso von Otto Koenig - beide Tier-Verhaltensforscher und verschlang damals pausenlos unzählige Geschichten, Sachbücher und auch das eine oder andere Lexikon rund um diese Themen. Generell besaß ich äußerst viele Bücher, war eine klassische Leseratte, und war auch schon in dieser Zeit fasziniert von der Technik, der Wissenschaft generell, Raumfahrt und all diesen Dingen, die zu dieser Zeit noch oft wie aus Science-Fiction-Filmen wirkten und völlig utopisch waren. Kein Wunder, dass ich jede Raumschiff Enterprise-Folge in mich aufsog und ebenso jede Dokumentation rund um Forschung, Abenteuer, Entdeckungen und so weiter. Falls übrigens jemand noch "Mein Dschungelbuch" von Werner Fend und seine Analog-Film-Abenteuer mit Schlangen, Löwen, Tigern und so weiter kennt, der wird mich vermutlich verstehen. :)

Die Kindheit verlief ansonsten generell unspektakulär und üblich, Kindergarten und Volksschule - es war eine Zeit, in der man am Nachmittag im Park herumlief und kletterte, statt unbeweglich vor der Computer-Mattscheibe zu sitzen. Dieser Lebensabschnitt hat mich auf jeden Fall naturgemäß sehr stark geprägt.

Chaotische Jugend

Ich wechselte danach in das Gymnasium und obwohl ich ein Mensch war und bin, der sehr schnell lernt und sich sehr Vieles mal eben intuitiv aneignet, zeigte sich, dass ich mit dem klassischen Schulsystem nicht allzu kompatibel war. Ich gehörte zwar immer zu den ganz ruhigen, schüchternen, braven Schülern und fühlte mich in lebhaften Gruppen nie besonders wohl, schaffte es aber dennoch, dass ich regelmäßig zum schwarzen Schaf in der Klasse wurde... entweder weil ich nur teilweise anwesend war... oder auch mal längere Zeit gar nicht. Denn irgendwie lagen meine Interessen einfach woanders oder ich hatte zumindest das Gefühl, dass diese und jene Inhalte in meinen Augen einfach nicht viel Sinn machten. Leider war ich jedoch mit dieser Ansicht naturgemäß eher alleine und es folgte somit ein recht dunkles Kapitel in meinem Leben - mit all den üblichen Problemen eines Jugendlichen in der stolprigen Schulzeit, Gruppendynamik, Pubertät, Familie und weiteren Herausforderungen des Lebens.

Nach einem Umzug und Schulwechsel in den ersten Jahren landete ich außerdem nebenbei auch vom braven, überschaubaren Westen in Wien genau auf der anderen Seite, also im Osten und das Ambiente änderte sich dort sehr deutlich. Die Mitschüler benahmen sich ganz anders, die Schule und die Inhalte folgten ebenso anderen Gesetzen, zudem war es auch generell oftmals ein wenig rauer vom Umgangston und die Cliquen-Bildung mit all ihren Ausuferungen ein fester Bestandteil der dortigen Jugendkultur. Das hat dazu geführt, dass ich dort erst recht meine Zeit in der Schule in einem eher minimalen Umfang verbrachte und stattdessen lieber mit Freunden und Bekannten durch Einkaufszentren zog oder einfach die Gegend erkundete - dies bot sich aufgrund der vielen offenen Flächen, vergessenen Winkeln und stillgelegten Betrieben in dieser Feld-Industrie-Gegend auch einfach an.

In der Zeit lernte ich allerdings auch meinen besten Freund kennen, der mich nicht nur von Grund auf verstand, sondern zugleich auch die Türe zu dem Ding namens Computer öffnete. Stundenlang saßen wir vor dem Rechner seines Vaters und später vor seinem Eigenen im Zimmer und spielten DOS-Spiele, werkelten an einer Netzwerkverbindung herum oder versuchten eine neue Sound- oder Grafik-Karte zum Laufen zu bringen. Eine großartige Zeit rückblickend! \o/

Das Computer-Zeitalter

Während es schulisch bergab ging, wurde ich immer neugieriger und verbrachte mehr und mehr Zeit vor der Kiste, speziell als irgendwann meine Mutter mit etwas Skepsis sich so ein Windows 95-Teil anschaffte. Röhrenmonitor, groß, schwer, laut. Es begann auch für mich die Zeit der getauschten Disketten-Spiele und den ersten Shareware-CDs... immer wieder stürzte das Ding ab oder ich vernichtete mit irgendwelchen Treibern und Experimenten das System, aber generell war diese Zeit ein großes Abenteuer und ich habe langsam, aber stetig mehr über diese röhrenden Kisten gelernt, auch wenn mein bester Freund mir immer (bis heute) voran war und oftmals den Not-Support spielen musste.

Nachdem klar war, dass ich und Schule einen gewissen Treiber-Konflikt hervorrufen, beendet ich das Experiment zum Entsetzen aller Beteiligten und meiner Familie und landete nach einigen Irrwegen und anderen Versuchen in einer Schule für Systemprogrammierung (AS/400). Eigentlich dachte ich, dass ich damit mein Steckenpferd gefunden habe, aber ich merkte schnell, dass mir das Sitzen in stockdunklen Räumen - stundenlang, unbeweglich und irgendwelche Codes auf schwarzem Bildschirm und grüner Schrift tippen - einfach zu wenig war. Stattdessen nützte ich zum Leidwesen der Professoren die Zeit im Unterricht und klopfte mir blind und völlig ahnungslos meine erste Webseite auf gut Glück zusammen. Und sie drehte sich um... Überwachung im öffentlichen Raum. Damals wusste ich nicht mal was FTP ist, hatte von Servern keine Ahnung und so weiter, schaffte es aber dennoch mit viel Zufall auf Geocities meine erste Webseite dann doch irgendwie online zu stellen. Wie stolz ich damals war!

Eine neue, intensive Ära

Durch dieses Ereignis eröffnete sich ein neuer Lebensabschnitt und ich erkannte, dass ich irgendwie über einen visuellen, technischen Fokus verfüge und begann deshalb weitere Webseiten in Eigenregie online zu stellen. Darunter auch Fashionlabels, das damalig erste Portal für österreichische Modedesigner, das um das Jahr 2000 zum ersten Mal das Licht der Welt erblickte... damals einfach aus Spaß und Interesse an der Sache, nicht-kommerziell und alles noch sehr roh und einfach. Man darf nicht vergessen, damals gab es kein Wordpress, Plugins, Template-Download-Portale und dergleichen, auch kein Facebook oder Twitter - vieles war deswegen handgestrickt.

Diese Seite wurde für fast zehn Jahre einer der wichtigsten Bestandteile meines Lebens, eröffnete weitere, zuvor ungeahnte Wege und führte mich Stück für Stück in die Fotografie-, Film- und Mode-Welt. Unzählige besuchte Fashion-Shows, Backstage fotografieren, selber (Analog-) Filme entwickeln und klassische SW-Fotografie, bei Filmdrehs assistieren, den Umgang mit Großformat-Kameras erlernen, Studio-Arbeit und Assistenz, bei Ausstellungen mitarbeiten und später entstand auch noch mit zwei Mädchen (zwei Schwestern) eines der ersten Online-Magazine um das Jahr 2005~ herum, das Magazin for Photography, Art & Style mit dem Namen C-Heads. Ein unglaublich umfangreiches Projekt, das es heute übrigens noch immer gibt (ich bin jedoch ~2010 ausgestiegen) und tausende Fotografen bzw. Künstler präsentiert. Wir saßen damals Woche für Woche unzählige Stunden davor, bearbeiteten Anfragen, gestalteten Beiträge, übersetzten Texte und so weiter. Und nebenbei bastelte ich weiterhin an anderen Seiten, Projekten, Grafiken und so weiter. Auch begann ich schon neben meiner ersten Webseite immer wieder da und dort zu bloggen... ein Steckenpferd, das mich bis heute nicht mehr losgelassen hat. Generell eine sehr intensive Zeit!

Man wird erwachsen

Währenddessen war es leider irgendwann soweit und man muss sich schweren Herzens den ernsten Dingen des Lebens stellen, auch wenn ich mich dem bis heute eigentlich mehr oder weniger erfolgreich verweigere. Eigene Wohnung, Freundin, lernte meinen Vater kennen, ich begann im Sommer zu jobben, bei Veranstaltungen mitzuhelfen, schleppte Kisten und Gerüste, betreute Kindergruppen und ihre Erwachsenen, sammelte Unterschriften, werkte bei Ausstellungen und in Ateliers mit, auch oft einfach so aus Interesse an der Materie. Zeitgleich tigerte ich mich in meiner Freizeit mehr und mehr in die Welt von Webseiten, Computer und Technik allgemein... hinein. Siehe meine Kenntnisse. Praktisch alles musste (und wollte) ich autodidaktisch erlernen und der Alltag war mit Photoshop, Illustrator, Cinema4D, After Effects, Dreamweaver und so weiter richtiggehend durchtränkt - anfänglich jedoch alles noch unter Windows. Apple-Dinge konnte ich von Anfang an nie leiden und die Teile waren damals zugleich auch nicht leistbar (für mich), umschiffte also dieses Kapitel. Mit Linux hatte ich es ein paar Mal schon probiert, klassische Knoppix-CDs, Suse und so weiter - aber so wirklich richtig verstanden hatte ich das Alles in der Anfangszeit (noch) nicht oder wusste nichts weiter damit anzufangen, erst später folgten immer wieder einige Experimentier-Phasen im Laufe der Zeit.

Durch meine Kenntnisse und den humanoiden Umkreis wurde ich später zufällig Webredakteur bei der österreichisch-internationalen Hilfsorganisation Licht für die Welt, die sich blinden und körperlich anders eingeschränkten Menschen weltweit (vor allem in den Armutsgebieten) widmet. Dort lernte ich erneut sehr viel, konnte mit blinden Menschen zusammenarbeiten, sie und ihre Kulturen erleben und verstehen, das Stichwort "Barrierefreiheit" im Netz wurde plötzlich greifbar und eine wichtige Notwendigkeit für meine Arbeit. Durch die spätere, berufliche Einbindung in die Pressearbeit folgten auch Veranstaltungen sowie viele große und kleine Projekte in diesem Metier. Dabei fügten sich einige Gebiete meines Lebens nun auch zusammen... Grafische Arbeiten, Webseiten, Newsletter, digitale & analoge Barrierefreiheit, Behörden, Fotografie, Filmschnitt oder Server-Technik und Team-Arbeit. Eine anspruchsvolle und sehr spannende Zeit, auch lernte ich in diesen Zeiten neue, besondere Freundschaften kennen, die mich bis heute glücklicherweise begleiten.

Man verändert sich

60-80 Stunden Wochen waren damals für mich normal, weil einerseits gab es den 25~40 Stunden-Job, andererseits all die Online-Projekte, die mir sehr wichtig waren und ich nicht loslassen wollte. Viele Nächte, Wochenenden und auch Feiertage waren damit durchsetzt und es passierte natürlich das, was in diesem Fall immer passieren muss... eines Tages kann und will man nicht mehr. Der Klassiker. Die Freude ist aus unerfindlichen Gründen schlagartig weg, man ist überfordert, überrollt, sieht nur noch unerledigte Dinge, bastelt mehr und mehr, die Verantwortung ist gestiegen, Technik fällt immer dann aus, wenn man mal kurz abschalten möchte und zugleich will man aber auch diese und jene Interessen verwirklichen. Die Schule des Lebens.

Kurzerhand sinnierte ich, es war klar, dass die Dosis das Gift macht, beendete daraufhin Stück für Stück ein Projekt nach dem Anderen und stieg einige Zeit später auch aus dem Magazin-Team aus, kündigte mal eben meinen Job als Webredakteur - erneut ein schockiertes Umfeld - und sammelte mich erstmal. Ich brauchte einen neuen Zugang und etwas mehr vernünftigen Abstand, außerdem hatte sich das Netz mittlerweile stark verändert, die Unschuld war irgendwie verloren und der Kommerz hatte mehr und mehr Einzug gehalten. Plötzlich war alles geregelt, alles viel ernster, die Zahl der Blogs und damit Konkurrenzkampf explodierte, BarCamps, Marketing und Klickzahlen wurde ein eingeforderter Alltag und nachdem MySpace schon einen leicht sozial schalen Geschmack bei mir hinterließ, veränderte Facebook, Twitter und so weiter die digitale Landschaft nachhaltig. Und nicht unbedingt zum Besseren.

Sich selber finden

Mir wurde wieder mehr und mehr bewusst, wo für mich die wichtigen Dinge des Lebens liegen, ich änderte meinen Alltag, meinen Job, der mich daraufhin vorübergehend in die Natur sowie Infrastruktur- und Kundenbetreuung bei der Stadt Wien führte, meine Wohnungseinrichtung, die fiktiven Ziele des Lebens, begann mich (noch) mehr und mehr mit Open Source und der Philosophie dahinter zu beschäftigen, entdeckte plötzlich mit einer relativen Leichtigkeit Linux für mich abermals neu und wusste dieses Mal sofort, dass ich hier nun eine dauerhaft bestehende, technische Liebe gefunden hatte... und sollte recht behalten. Seitdem habe ich Windows privat nicht mehr installiert.

Nach all den Jahren mit Flash und völlig überfrachteten Webseiten mit Dutzenden Features, Pomp und Style, war mir zudem auch klar, dass mir der Content viel wichtiger ist - seitdem habe ich eine Kehrtwende vollzogen, reduziere meine eigenen Webseiten mehr und mehr, predige und vermittel das auch gerne, vereinfache viele technische Wege, versuche den Community-Gedanken da und dort aufrecht zu erhalten, betrieb einige Zeit zudem ein umfangreiches Plugin-Archiv für Blosxom, eine der ersten, minimalen Blog-Engines und konzentrierte mich generell mehr auf meine eigenen, privaten Blogs.

Aus den meisten sozialen Netzwerken habe ich mich damals schon beginnend und heutzutage beinahe vollständig abgemeldet, weil ihr Nutzen in der Realität privat sowieso geringer ist, als gerne oft proklamiert wird, außerdem für Freundschaften belastend sein können und pflege deshalb nur noch meinen Twitter-Account in unregelmäßigen Abständen oder andere Kanäle aus beruflichen Gründen. Ansonsten ist mir die direkte, persönliche Kommunikation oder der Blog zu Blog-Austausch deutlich wichtiger geworden und ich gehe generell Projekte deutlich ruhiger, vernünftiger und kontrollierter an. Ein Reifeprozess, der gut tut und notwendig war.

Die letzten Jahre

Ich habe durch einige berufliche Entwicklungen in meinem letzten Job viel über mich selber, über andere Menschen und über komplexe, schwierige Gruppen-Dynamiken gelernt und aus diesen Gründen trenne ich Berufliches und Privates seitdem strikt voneinander. Schlussendlich habe ich zudem diesen ungewohnten Abschnitt des Lebens (reich an neuen Erfahrungen) abgeschlossen und mich neuen Herausforderungen gestellt. Das Leben als dauerhafte Schule. \ô/


Aktuell

Zur Zeit setze ich meine gesammelten Erfahrungen und Kenntnisse vorwiegend im Technik- und österreichweiten Kunden-Support ein und versuche, anderen Menschen unter die Arme zu greifen, wenn sie vor einem Problem stehen, meistens wenn es um Webseiten oder alltägliche, klassische Computer-Hürden oder um Schwierigkeiten auf Service-Ebene geht. Ich blogge außerdem mittlerweile nebenbei fast täglich diverse Meinungen, gehe unverändert gerne bei jeder erdenklichen Möglichkeit in die Natur, beobachte Tiere, fotografiere unverändert gerne, werke mit Holz und schätze meinen kleinen, langjährigen Freundeskreis mehr denn je.

Nachtrag: Dieser Eintrag ist etwas umfangreicher, da es sich hier aber um meine private, ganz persönliche Seite handelt, die man besuchen kann, jedoch nicht besuchen muss, ist der eigene, dramatische Ego-Fokus hier hoffentlich im Rahmen der Erträglichkeit... :)

Wien · Österreich 2017 · 4209 Besucher
Aktualisiert am 2017-04-03 21:32 Bearbeiten